Die Krise als Chance genutzt

Die Krise als Chance genutzt

Bei den Mahlwerken Kreutz geht es wieder aufwärts - Weihnachtsgeld nachgezahlt

Haiger (rst). "Eine Situation wie damals haben wir noch nicht erlebt", erinnert sich Winfried Stettner an den Herbst 2008. Mit Schrecken denkt der Betrlebsleiter der Langenaubacher Firma Kreutz-Mahlwerke an den Beginn der Weltwirtschaftskrise zurück, der für, das Langenaubacher Traditionsuntemehmen unerwartete Folgen hatte. "Es war wie abgeschnitten, plötzlich blieben die Aufträge weg", sagt der Diplom-lngenieur: "Die Anlagen standen still." Das von Geschäftsführerin Ulrike Kreutz geleitete Untemehmen ließ sich von der allgemeinen Depression allerdings nicht anstecken, nutzte die vom Gesetzgeber vorgesehenen Instrumente wie zum Beispiel Kurzarbeit und Mitarbeiter-Qualifizierung - und kann heute zuversichtlich nach vorn blicken. Es geht erkennbar aufwärts. Der Umsatz ist zwar noch nicht so gut wie 2008, aber wir sind zufrieden" erklärt die Leiterin des 1953 von ihrem Vater Helmut Kreutz gegründeten Unternehmens.

"Leicht war es nicht, schließlich waren wir solche Krisen nicht gewohnt - Kurzarbeit war über 50 Jahre lang nie ein Thema für uns", gesteht die Chefin von rund 100 Mitarbeitern. Weil viele Kunden aus der keramischen und chemischen Industrie sowie den Bereichen Farben und Lacke erst einmal ihre Lager leerten, war die Grundauslastung nicht mehr gegeben.

Erste Kurzarbeit in der Geschichte
2009 beantragte die Hightech-Firma, die unter anderem Keramiken für Prothesen herstellt, erstmals Kurzarbeit und teilte den Mitarbeitern im Sommer mit, "dass es mit dem kompletten Weihnachtsgeld eng wird" (Ulrike Kreutz).

Gleichzeitig versprach die Geschäftsführerin ihren Leuten, die zum Teil seit Jahrzehnten in Langenaubach arbeiten, "dass das restliche Geld gezahlt wird, sowie es uns wieder besser geht".

Zunächst galt für die die Geschäftsleitung, Kontakt mit der Bundesagentur für Arbeit aufzunehmen und sich über die Möglichkeiten zu informieren der Krise zu begegnen. "Die Dillenburger Agentur war sehr kooperativ", berichtet Winfried Stettner. Vier Mitarbeiter der Mahlwerke nutzten die Gelegenheit, sich in acht- bis zwölfwöchigen Schweißerlehrgängen weiter zu qualifizieren. "Die Rückmeldungen waren alle positiv", freut sich Stettner: "Die Leute waren froh, ihren beruflichen Horizont erweitern zu können." Als sich Ende des vergangenen Jahres die Situation merklich verbesserte, wurde die Kurzarbeit beendet. Vor wenigen Monaten zahlte die Firma wie versprochen das 13. Monatsgehalt aus 2009 nach. "Das kam bei den Leuten sehr gut an", erinnerte sich Ulrike Kreutz: "Uns ging es immer auch darum, die Arbeitsplätze zu sichern. Unsere Belegschaft hat gemerkt, dass unser Konzept richtig war."

"Leiharbeit ist nichts für uns"
Leiharbeit gehörte übrigens nicht zu diesem Konzept. Firmen aus der Zeitarbeitsbranche, die dem Unternehmen ihre Angebote unterbreiteten blitzten bei der Chefin schnell ab. "Das ist nichts für uns", ist Ulrike Kreutz überzeugt. Sie hält nicht viel von dem seit Monaten kontrovers diskutierten Leiharbeit-Modell, auch weil für sie unklar ist, "wie ein Beschäftigter von sechs Euro Stundenlohn leben soll". Ulrike Kreutz: "Die Menschen, die für uns arbeiten, sind unser Kapital." Die Geschäftsführerin ist froh, dass ihre Firma die Krise unbeschadet überstanden hat und blickt hoffnungsvoll nach vorn. "Es geht aufwärts, wir wollen wieder investieren.

Die Mahlwerke Kreutz
Die Mahlwerke Kreutz wurden 1953 von Helmut Kreutz gegründet. Der gebürtige Niederdresselndorfer gewann zunächst Schieferton aus der eigenen Grube in Langenaubach, die zur Produktion von "Terrazzo" genutzt wurde. Die Angebotspalette wurde erweitert, nachdem Kreutz entdeckt hatte, dass sich der Schieferton sehr gut als Glasurträger für die keramische Industrie eignet. Die Firma ist heute in den Bereichen Rohstoffaufbereitung und Herstellung von Oxidkeramik tätig. Auf dem Gebiet der eisenfreien Vermahlung (teilweise bis in den Mikrometerbereich) und Aufbereitung mineralischer Rohstoffe für die keramische, chemische und Feuerfest-Industrie nimmt die Firma seit 1965 in Deutschland eine führende Position ein. Rund 100 Beschäftigte arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb. Kunden gibt es in der ganzen Welt, 80 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Export (rst)

Der Ofen, in dem bei 1500 Grad Oxidkeramik gebrannt wird (im Hintergrund) hat wieder genug zu tun. Darüber freuen sich Kreutz-Geschäftsführerin Ulrike Kreutz (2. v.l.), Betriebsleiter Winfried Stettner (2. v.r.), der technische Leiter Alexander Schneider (links) und Chemiker Dr. Georg Fehringer. (Foto:rst)